morgen 15 tage. gestern vor dem schlafengehen angetrunken auf der terrasse geraucht und in den sternenklaren himmel geschaut. ein moment der klarheit und des seelenfriedens. 2012, als ich den film tree of life sah, beschäftigte ich mich das erste mal mit dem all. beschäftigen heißt bei mir zunächst, sämtliche begriffe, die mich interessieren, auf wikipedia nachzuschlagen. ebendort fand ich auch heraus, dass der urknall nicht den entstehungszeitpunkt der erde beschreibt, wie ich irrtümlicherweise angenommen hatte (lacht mich meinetwegen aus), sondern des universums. das faszinierte mich. der beginn von allem. der beginn der unendlichkeit. kosmischer mikrowellenhintergrund. rotverschiebung. expansion des universums. planck-dichte. ursprüngliche singularität. kosmische inflantion. lichtjahre. galaxien. pferdekopfnebel. die säulen der schöpfung. zeitdilatation. bewegte uhren gehen langsamer. längenkontraktion. krebsnebel. bewegte körper schrumpfen. inertialsysteme. interstellarer raum. gravitation. bogenminute. steady-state-theory. begriffe, die niemals fassbar für mich sein werden und gerade deshalb etwas unheimlich beruhigendes für mich haben.
zur selben zeit fand ich auch heraus, dass die sonne nichts weiter als ein stern ist oder andersherum: sterne nichts weiter als sonnen sind.
schaue ich in einen sternenklaren himmel, mache ich mir zunächst bewusst, weitentfernte sonnen zu betrachten. sonnen, die womöglich gar nicht mehr existieren. und dann flüstere ich mir zu, ich schaue in dreizehnmilliarden lichtjahre des universums. etwas, das natürlich nicht wahr ist, denn: das, was wir am firmament erkennen können, ist so winzig, dass wir — gemessen an kosmischen dimensionen — nicht einmal von einem auszug des alls sprechen können.
vor einigen wochen habe ich wieder einen anlauf genommen und mithilfe von dokus (es gibt da eine dokumentation, bei der so unheimlich meditativ und bedeutungsträchtig mit musik, stille und sanfter offstimme die einsteinsche revolution vertont wird, dass ich immer wieder gänsehaut bekomme) und auf youtube veröffentlichten vorlesungen versucht,  mir ein grundverständnis über die spezielle relativitätstheorie anzueignen. hat nicht funktioniert. normalerweise verliere ich das interesse an dingen, die ich trotz größter bemühungen nicht verstehe. was die relativitätstheorie jedoch betrifft, werde ich, ohne mich hellseherischer komptenzen rühmen zu können, in ein paar monaten oder jahren wieder alles mögliche darüber lesen und anschauen.
der gedanke, klein und unbedeutend für das universums zu sein, hat für mich etwas sehr tröstliches und beruhigendes. ich weiß, ich stelle damit eine ausnahme dar. immerhin geht es seit menschen gedenken ohne wenn und aber um bedeutung. ein noch bis heute verbreiteter moralischer standard leutet, dass derjenige, der etwas gilt, sich erheben kann. nicht nur vom boden, sondern auch über andere. deswegen meinen wir, andere bestrafen zu dürfen, deswegen nehmen wir uns die freiheit, die natur zu zerstören, deswegen sehen wir es als unser recht, tiere trotz des nebeneffekts der quälerei zu essen. vielleicht reagiere ich ja deshalb darauf allergisch, dass sich menschen schrecklich wichtig nehmen. und vielleicht ist deshalb die wundervollste freudsche kränkung jene, als kopernikus nicht nur entdeckte, dass die erde nicht der mittelpunkt des alls ist, sondern unser planet sich um sich selbst und die sonne dreht.
wenn ich in den sternenklaren himmel schaue, ist für einen moment alles gut.

Foto am 06.10.18 um 23.02

 

 

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